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04
2021

Awarenessweek Tag 4. Kannst du (mich) gut riechen?

Es geht weiter hier mit Tag 4. meiner Awarenessweek. Worum es dabei geht und was ich damit bezwecken möchte kannst du hier nachlesen.

Nach Augen und Ohren wird mein heutiger Beitrag von deiner Nase und dem Riechen handeln.

Zu Beginn werde ich mich dabei erst mal wieder mit dem Aufbau der Nase beschäftigen, gefolgt vom Prozess des Riechens und der damit sehr engen Verknüpfung an Emotionen. Also lass uns loslegen!

Boy Smelling Fresh Orange on wooden background

Fotocredit: masseyeandear.org

 

Der Einsatz deiner Nase von Beginn deines Lebens an…

Noch bevor sich die Augen eines Babys im Verlauf seiner Entwicklung scharf stellen ist seine Nase bereits voll aktiv. Womit gewährleistet ist, dass es den Weg zur mütterlichen Brust finden. Der Geruchssinn ist unweigerlich mit Essenssuche und Aufnahme verknüpft. Bereits ab der 26sten Schwangerschaftswoche ist der Geruchssinn eines Embryos komplett ausgebildet. Bestimmte Geruchs und Nahrungspräferenzen werden damit bereits im Mutterleib geprägt. Viele Entscheidungen im Verlauf unseres Lebens treffen wir durch die emotionale Verknüpfung unterstützt durch die Nase. Weiters hat uns unsere Nase bereits in der Steinzeit davor bewahrt ungenießbare Speisen, welche für uns schädlich oder sogar tödlich sein hätten können, zu verzehren. Ein Gefühl von Ekel erzeugt durch verdorbene Lebensmittel deren Geruch/Gestank uns in die Nase tritt ist also ein sehr wertvoller Überlebensmechanismus unseres Körpers.

 

Aufbau der Nase

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Fotocredit: f1onlinde.de

Es existieren zwei voneinander unabhängige Systeme in deinem Körper zur Geruchsaufnahme und Weitergabe an dein Gehirn. Womit du praktisch mit einem Reservesystem ausgestattet bist, sollte eines davon zu Schaden kommen.

Sichtbar die Außenwände der Nase, das Wesentliche läuft jedoch im Inneren ab. Die beiden Nasenlöchern bilden die Eingänge zu den beiden Nasenhöhlen, voneinander innen getrennt durch das Nasenseptum, eine knorpelige Wand. Nach unten hin trennt die Gaumenplatte die Nase vom Mundraum. Weiter hinten, also am hinteren Ende der Nase besitzen wir noch zwei weitere innere Nasenlöcher wodurch die Nase mit dem Rachen in direkter Verbindung steht.

Aus den Nasenwänden ragen drei Wülste, die Nasenmuscheln (obere, mittlere und untere Nasenmuschel), in die Nasenhöhle hinein. Diese sind mit einer Schleimhaut überzogen, deren Flimmerhärchen und Schleim die Nase sauber halten. So werden Schmutz und Bakterien hinausbefördert. Die feinen Flimmerhärchen filtern die Atemluft schon beim Einatmen und lassen groben Dreck erst gar nicht hinein.

Über der oberen Nasenmuschel, schon ganz nah beim Gehirn, liegt die Riechregion, eine Riechschleimhaut mit Millionen von Riechzellen, die für das eigentliche Riechvermögen der menschlichen Nase verantwortlich sind. Die Fläche dieser Schleimhaut hat die Größe von ca. 1-2 Briefmarken. Trotzdem haben darauf 5-6 Millionen Riechzellen, die Ermöglicher des Riechvorgangs, Platz.

 

Wie geht riechen?

zitrusgartenfaakersee

Beim Riechvorgang müssen Riechzellen die Duftmoleküle in der Luft erkennen und dafür sorgen, dass deren Duftinformationen ins Gehirn gelangen. Das Ganze wird als chemoelektrische Transduktion bezeichnet. Das bedeutet: Im Vorgang des Riechens wird ein chemisches Signal in ein elektrisches Signal umgewandelt. Deine Riechzellen sind Nervenzellen, womit sie die Fähigkeit besitzen Informationen aus der Umgebung aufzunehmen und in elektrische Signale umzuwandeln. Auf der Seite, die mit der Atemluft in Kontakt kommt, trägt eine Riechzelle viele dünne Riechhärchen, die von Schleim umhüllt sind. Sie werden Zilien genannt. Auf den Zilien liegen die Geruchsrezeptoren sozusagen zum Andocken für die Duftmoleküle. Das Duftmolekül gelangt mit der Atemluft in die Nase, löst sich in Schleim auf und kann dann an den Geruchsrezeptor andocken. Dadurch wird ein elektrischer Impuls ausgelöst, also wie oben genannt die Duftinformation von einem chemischen in ein elektrisches Signal übersetzt.

Ein einziges Duftmolekül allein setzt diesen Prozess noch nicht in Gang. Nur wenn genügend Duftmoleküle in der Atemluft sind und gleichzeitig an den Riechzellen anbinden können, kommt es zu einer Geruchsempfindung. Diese elektrische Botschaft wird dann an das Gehirn weitergeleitet und bewirkt dort letztendlich die Empfindung. Der Mensch besitzt etwa 350 verschiedene Geruchsrezeptoren und damit auch 350 verschiedene Riechzelltypen.

Düfte setzen sich immer aus vielen verschiedenen Duftkomponenten zusammen. Das Gehirn kann nur deshalb einen komplexen Duft wahrnehmen weil viele Riechzellen, die unterschiedliche Duftrezeptoren tragen,  entsprechend zusammenarbeiten.

Bratapfel-bratapfel

 

Der elektrische Reiz, der in den Riechzellen bei einer Duftstoffanbindung entsteht, wird über einen langen dünnen Zellfortsatz, das Axon weitergeleitet. Mehrere Axone von Riechzellen des gleichen Typs bündeln sich zu Riechfasern zusammen, die dann (vergleichbar mit einer Stromleitung) ins Gehirn ziehen. Das Siebbein, das sich direkt über der Riechregion der Nasenhöhle befindet, trennt als Knochenplatte die Nase vom Gehirn. Wie der Name verrät ist das Siebbein, ähnlich einem Sieb, durchlöchert. Durch diese Löcher ziehen schließlich die Riechnervenfasern in den Riechkolben, das ist gleichzeitig die erste Riechstation in deinem Gehirn. Er befindet sich direkt über der Nasenwurzel. In dieser “Schaltzentrale” wird die Information aller Riechzellen in ca. 30.000 kleinsten Riechzentren (den Riechknötchen) gesammelt und weiterverarbeitet. Zu diesem Zeitpunkt weiß dein Gehirn bereits ganz genau welcher Geruch uns in die Nase gestiegen ist.

Damit wir uns dann auch dessen bewusst sind, muss diese Information jedoch erst in höheren Gehirnzentren verarbeitet werden. Dafür sind weiterführende Nervenzellen zuständig. die Mitralzellen. Diese leiten die Informationen weiter und ziehen gebündelt durch die Riechfurche ins Riechhirn. Und dort wird weiter verrechnet, sortiert und neu gebündelt.

Unsere Nase arbeitet 24h am Tag, schließlich nehmen wir mit jedem Atemzug über die Luft Duftmoleküle auf. Aufgrund der Erregung der Riechzellen durch die Duftmoleküle wird ein Strom produziert, der über die Nervenfasern ins Gehirn geleitet wird. Das Ganze kann bewusst oftmals jedoch auch unbewusst ablaufen, unser Gehirn wird durch diese Duftinformationen verändert und geprägt.

 

Riechen und Emotionen…..eng verknüpft

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Fotocredit: brevitymag.com

Wenn man einen Duft riecht, speichert man automatisch zusätzlich gleichzeitig die momentane emotionale Situation ab, dazu Bilder, Töne usw… Das ergibt ein Gesamtpaket das abgespeichert wird. Wird besagtes Duftmuster ausgelöst so werden automatisch auch die anderen sinnlichen Eindrücke mit wachgerufen. Man kann sagen, dass die Nase eine direkte Standleitung in die Gehirnareale des limbischen Systems, welches zuständig ist für Emotionen und Stimmungen, sowie auch in den Hippocampus, verantwortlich für Erinnerung und Gedächtnis. Das liefert uns hiermit die Erklärung dafür, dass eben Düfte inklusive aller weiteren Sinneseindrücke abgespeichert und diese bei Duftmusteraktivierung sofort mit ausgelöst werden.

Also wenn Duftinformationen von den Sinneszellen der Nase ins Gehirn geleitet werden, werden zuerst die Emotions- und Gedächtniszentren aktiviert. Was wiederum erklärt, das wir Menschen sehr unterschiedlich auf diverse Gerüche reagieren bzw. als angenehm oder störend wahrnehmen, schließlich verknüpft jeder einzelne damit eine andere Geschichte die im Moment des Riechens wie ein Film in deinem Hirn als Wiederholung abgespielt wird.

Ein sehr interessantes Interview mit dem Geruchsforscher Prof. Hanns Hatt, dem ich einige der Informationen für diesen Beitrag entnommen habe, kannst du hier nachlesen.

 

Bewusst Einfluss nehmen und mit Gerüchen deine Stimmung steuern

sommerselfie

Mit diesem Wissen  kannst du nun jedoch auch bewusst über bestimmte Gerüche und Düfte auf deine Emotionen Einfluss nehmen. Neben der Aromatherapie wo bewusst mit diesen Zusammenhängen gearbeitet wird, werden Düfte übrigens mittlerweile auch teilweise bereits in der Therapie von Menschen die von Demenz und Alzheimer betroffen sind eingesetzt.

Was sind deine Lieblingsgerüche und was verbindest du damit, welche Story hast du dazu?

Welche Gerüche entspannen dich/ empfindest du erfrischend und aktivierend?

Versuche im nächsten Moment in dem du dich rund um wohl und in deiner Mitte fühlst für einen Moment deine Augen zu schließen und bewusst wahrzunehmen was dich an Gerüchen umgibt/in der Luft liegt.

 

Damit sage ich danke für deine Zeit und Aufmerksamkeit und wünsche dir noch einen duften Tag.

Alles Liebe, deine Verena

 

author: Verena Hirzenberger