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03
2021

Onlinetrainings…. nicht schon wieder oder noch immer ?

16.03.2021… Es ist heute exakt ein Jahr nach Start des ersten Corona-Virus bedingten Lockdowns. Heute werfe ich einen Blick in meinen Kalender. Mein erstes Online-Training via Zoom habe ich wenige Tage später, und zwar am Samstag 21. März 2020 abgehalten. Das war damals eine Mobility-Einheit für die Bodystyle Fitnessstudios in Wien.

Ich bin Sportwissenschafterin, ich bin Personaltrainerin. Beruflich zeichnet mich also der persönliche Kontakt mit meinen Klienten aus. Ein auf die Einzelperson abgestimmtes Training, das 150% bei der Person sein. Zuhören, eingehen und einfühlen, anpassen. Kann ich dann ein Onlinetraining überhaupt gut heißen und befürworten?

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Im heutigen Beitrag möchte ich nach einem Jahr regelmäßig abgehaltener Online-Trainings meine persönlichen Erfahrungen dazu mit euch teilen. Und wie wohl fast alles im Leben, hat auch Onlinetraining beide Seiten: Vorteile und Nachteile.

 

Gerade wenn du dieser Art von Training bis jetzt kritisch gegenüber gestanden bist,

würde ich mich freuen, wenn du weiterliest.

Anders als von mir damals prognostiziert, kam der Anstoß zu regelmäßigen Online-Trainings letzten Frühling nicht von meinen Personaltrainingskunden, sondern meinen langjährigen Kunden meiner Outdoortrainings- also jene Kleingruppentrainings, welche ich seit nun mehr 5 Jahren ganzjährig (ja auch im Winter) in diversen Wiener Parks abhalte.

Gerade diese Gruppe an Menschen entschloss sich dazu lieber dem Onlinetraining eine Chance zu geben, als komplett auf ein Training in der Gruppe unter meiner Anleitung zu verzichten.

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Und hier sind nun meine gesammelten Pro und Contrapunkte für diese Form des Trainings.

DIE NACHTEILE

  • keine Sichtkontrolle/Fehlerkorrektur:  Nachdem ich anders als bei meinen Outdoortrainings bei Onlinetrainings selbst alles mitmache, und mich dabei in einer gewissen Entfernung zu meinem Laptop-Bildschirm befinde, ist eine gleichzeitige Technik-Korrektur der Teilnehmer im Gruppensetting kaum möglich. Und ja! Dieser Punkt ist definitiv ein wichtiger und berechtigter Kritikpunkt! Genau deshalb würde ich aber auch nicht regelmäßig Online-Trainings mit einer Gruppe an Menschen, welche ich zuvor niemals real gesehen und im Training erlebt habe, durchführen wollen. Übrigens handhabe ich das selbstverständlich im 1:1 Setting anders. Hierbei gibt es selbstverständlich Korrektur durch Sichtkontrolle über die eingeschaltete Kamera meiner Klienten.
  • Wie kann es trotzdem klappen? Ich (muss) auf die Eigenverantwortung meiner Klienten vertrauen (können). Ich versuche durch möglichst genaues Vorzeigen, Anleiten und Erklären die Technik klar zu vermitteln. Ich biete Regressionen und Progressionen der verschiedenen Übungen an. Dadurch, dass ich eben meine Klienten großteils seit Jahren mindestens 1x/Woche persönlich betreut habe, kenne ich ihre diversen Schwachstellen/alte Verletzungen usw… und spreche diese auch konkret an. Jeder der neu ins Training dazukommt hat die Möglichkeit mir schriftlich oder auch telefonisch Auskunft über besondere körperliche Konstitutionen zu geben, damit ich dies auch im Gruppensetting bestmöglich berücksichtigen kann. Gleichzeitig ist es jedoch auch förderlich mir meinen Einflussbereich als Trainerin realistisch vor Augen zu führen, denn unabhängig davon ob im Online-Setting oder im normalen persönlichen Training: eine Woche besitzt 168h, auf durchschnittlich nur 1-2h/Woche haben wir als Trainer Einfluss. Was also unsere Kunden die restliche Zeit/Woche tun, wie sie sich dabei bewegen, welche gesundheitsfördernden oder hemmenden Handlungen sie durchführen obliegt – vollkommen unabhängig von Coronapandemie und Lockdowns- allein ihnen selbst. Dass wir alles versuchen um hier auch Impulse für ein gesundes und vitales Leben zu setzen steht außer Frage, die tatsächliche Umsetzung und Verantwortung liegt jedoch schlussendlich immer bei der Person selbst. Übrigens ist der “Schaden” den der Körper durch Wochen oder monatelangen Mangel an Bewegung erfährt ungleich größer, als jener den man mit 5 von 10 nicht ganz korrekt ausgeführten Kniebeugen 1x/Woche produziert.

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  • der Frischluft-Faktor: Ja, kein Wohnzimmer kann das Gefühl ersetzen draußen im Park, mit der Sonne auf der Haut oder dem Wind in den Haaren zu trainieren. Ein bisschen grün zu sehen tut uns so gut! Und, dass Bewegung an der frischen Luft nochmal eine ganz andere Qualität für unser Immunsystem hat ist klar.
  • Online geht auch Outdoor: Um genau darauf nicht verzichten zu müssen, gibt es bei einigen meiner Online-Trainings auch die Option diese von Draußen mitzumachen. Man schnappt sich dazu also einfach sein Handy (mit vollem Akku), sucht sich einen geeigneten Platz mit guter Internetverbindung im eigenen Garten oder auch Park an einer Parkbank (die ich gerne für Übungen verwende), klinkt sich dort über Handy normal in das Zoom-Meeting ein, und dann kann es schon losgehen. Von Vorteil sind hier auch noch kabellose Kopfhörer. Alle Übungen in diesen Trainings sind bewusst so gewählt, dass man sie allein mit der Bank als Zusatzgerät und einem kleinen Handtuch ausführen kann. Damit niemandem kalt wird, gerade auch bei geringeren Temperaturen, baue ich dazwischen immer wieder Übungen ein, die dein Herz-Kreislauf-System kurz in Schwung bringen und dich so warm halten.

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  • der soziale Austausch: Ein Training in der Gruppe lebt ein Stück weit auch immer davon, dass ich in dem Moment nicht ganz alleine bin, mit dem was ich tue. Man strengt sich gemeinsam an, manchmal gibt es auch dezidiert Paar- oder Teamübungen und es bereitet einfach Freude gemeinsam zu schwitzen, zu schnaufen, sich zu bewegen. Ein bisschen Geplauder vor Trainingsstart oder am Ende, wenn man das möchte, gehört mit dazu. Schon manche Empfehlung, mancher Rat wurde in diesem Rahmen geteilt und auch diverse Freundschaften oder berufliche Kooperationen sind so entstanden.
  • du bestimmst den Grad der Anonymität: 5-10min vor Beginn des Trainings gibt es einen kurzen Austausch. Wer möchte kann dabei auch seine Kamera anstellen. Man kann mitplaudern und lachen oder auch einfach nur zuhören und abwarten bis das Training beginnt. Auch während dem Training versuche ich genau wie auch bei meinen sonstigen Gruppentrainings Persönliches mit einzubringen. Eine Rezeptidee, ein Tipp für eine Wanderung am Wochenende, interessante Infos zur Trainingslehre,… das alles hat Platz und ist für mich wesentlicher Bestandteil eines Trainings speziell mit mir. Das geht auch im Online-Setting nicht verloren.

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  • der Ärger mit der lieben Technik: Zu Beginn war das für uns alle Neuland. Wie geht Zoom? Wo muss ich drücken um was zu hören oder zu sehen und überhaupt und außerdem. Wir Trainer haben da ungeplanter Weise in kurzer Zeit viel dazugelernt und auch Großteils in zusätzliches technisches Equipment investiert (bzw. investieren müssen).
  • neues Lernen ist immer eine gute Sache: Mittlerweile haben viele von uns berufsbedingt gelernt mit diesen Medien zu agieren. Ich nehme mir immer gerne die Zeit für eine kurze Zoom-Instruktion vor der Teilnahme an deinem ersten Online-Training. Dafür kannst du dir jederzeit gesondert einen Termin mit mir vereinbaren. Einmal ca. 30 Minuten Zeit investiert und alles entsprechend eingestellt und durchgespielt, dann läuft es normalerweise sehr einfach und unkompliziert. Und etwas Neues gelernt zu haben ist der positive Nebeneffekt der uns zusätzlich fit und rege hält, so sehe ich das.

 

…Und nun weiter mit der anderen Seite der Medaille

DIE VORTEILE

  • Effizienz: Ja, das meint zum einen die Effizienz für mich als Trainerin. Natürlich ist es angenehm und auch Energie sparend nicht den ganzen Tag kreuz und quer durch Wien fahren zu müssen sondern sogar teilweise 3 Trainingseinheiten wirklich innerhalb von 3  anstatt von 6 Stunden (mit Hin/Rückfahrt von einem zum nächsten Einsatzort entspricht das dem typischen normalen Zeitaufwand) abhalten zu können. Aber genau diesen Vorteil haben begeisterte Kunden zuerst erkannt, bevor er mir selbst so richtig bewusst wurde. Denn um online mit zu trainieren ersparst du dir in diesem Fall den Weg zum Trainingsort. Am Morgen kannst du so vielleicht sogar ein bisschen länger schlafen. Nach dem Training gehst du eine Tür weiter und stehst zuhause unter der eigenen Dusche. Am Abend nach dem Training trennt dich nur ein Schritt von der Matte zur Couch oder zum Esstisch mit deinem wohlverdienten Abendessen. Lässt du deine Kamera aus, kannst du im Prinzip auch noch im Pyjama mit trainieren.

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Fotocredit by einhornpjs.de

 

  • unzählige Optionen: anders als beim Outdoortraining, wobei zu bestimmten Jahreszeiten das längere Liegen im Gras und auch andere Boden nahe Übungen eher schwer umsetzbar sind, steht dir zuhause alles offen. Allein dein Körper, sowie auch diverse Zusatzgeräte bzw. Alltagsgegenstände wie deine Couchkante, ein Sessel, ein Kissen oder 2 Bücher, bieten unbegrenzte Übungsvariationen. Gerade für Trainings zur Verbesserung deiner Beweglichkeit (meine Mobility-Einheiten) empfinde ich ein Training zuhause auf der Matte und am Wohnzimmerboden als großen Vorteil.

 

  • Wetter unabhängig: Auch wenn man sagt, dass man lediglich die richtige Ausrüstung für ein Outdoortraining bei jedem Wetter braucht, so sind doch Regen, Sturm und Unwetter für meine Outdoortrainings Gründe um diese abzusagen. Im Onlinetraining sind wir unbeeinflusst von Wetter und Klima. Du kannst sogar selbst die Temperatur deines Trainingsorts bestimmen und benötigst keine spezielle Outdoortrainingskleidung.

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Fotocredit by pinterest.com

  • Orts unabhängig: Wien, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich und Deutschland. Beim Onlinetraining bist du ortsungebunden. Als Trainerin kann ich so auch wieder mit Kunden arbeiten die Wien verlassen und ihren Lebensmittelpunkt woanders gefunden haben. Anders als bei meinen Outdoortrainings, bei denen sich die TeilnehmerInnen Wohnort oder Berufsort gebunden zusammen finden, stellt die Entfernung keinen Hindernisgrund für die Teilnahme am Onlinetraining dar. Dadurch kann ich auch einfacher gewährleisten, regelmäßig eine Anzahl von aktuell 7-10 Kursen/Woche anbieten zu können. Gleichzeitig können meine Kunden wenn gewünscht auch im Urlaub am Training teilnehmen oder (sofern wieder geöffnet) vom Hotelzimmer aus.

 

  • spontane Teilnahme ist einfacher: Auch wenn man sich grundsätzlich aus organisatorischen Gründen für meine Onlinetrainings vorab anmelden muss, so gibt es auch immer die Möglichkeit der kurzfristigen und spontanen Teilnahme. Diese fällt natürlich in diesem Setting auch wesentlich einfacher, weil du eben nicht extra noch wo hinkommen musst um in Bewegung gebracht zu werden. Laptop oder Handy an und schon kann es los gehen.

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Fotocredit by magazine.trivago.de

 

  • kürzere Trainingseinheiten möglich: Eine Personaltrainingskundin hatte die Idee, ihre ursprünglich 60 minütigen Personaltrainingseinheiten auf 2x 30 minütige Onlinetrainings aufzuteilen. Auf diese Art und Weise trainiert sie zwar jeweils kürzer, jedoch regelmäßig mehrmals die Woche. Aus gesundheitlicher Sicht ist diese Vorgehensweise sogar noch besser als die eines Trainings 1x/Woche für eine Stunde am Stück. Seit einigen Monaten sind daraus 3x 30min/Woche Training geworden. Das bedeutet, es hat sich sogar die Gesamttrainingszeit/Woche erhöht. Bei einer Anreise von ca. 45 Minuten von mir zu besagter Kundin wären 30 minütige Trainingseinheiten vor Ort nicht praktikabel, online jedoch klappt das wunderbar und meine Kundin kann zusätzlich auch noch morgens etwas länger schlafen, da es sich für sie durch die verkürzte Trainingszeit problemlos ausgeht später damit zu beginnen und trotzdem pünktlich im Büro zu sein.

 

  • Anonym, wenn du magst: Wie vorhin schon genannt, bestimmst du den Grad der Anonymität. Gerade im Firmenfitness-Setting habe ich in diesem Zusammenhang auch positive Effekte erlebt. In diesem Rahmen, in dem man es vielleicht als weniger angenehm empfindet sich beim Training den Blicken anderer auszusetzen, bewährt sich Onlinetraining. Man wird nicht gesehen, wenn man es nicht möchte. Ein sich Vergleichen mit anderen TeilnehmerInnen des Trainings fällt weg. Und sollte man mit der Dauer eines Intervalls oder der Durchführung einer Übung zu Beginn etwas überfordert sein, so sieht auch niemand wenn man vorzeitig pausiert. Dadurch, dass ich auch während dem Training die Mikros der Kunden auf stummschalte, kann man komplett ungestört gerne auch fluchen, schnaufen, prusten soviel man möchte. Eigenständig das Mikro verwenden um Fragen zu stellen bleibt natürlich immer gewährleistet.

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Kurz zusammengefasst:

Kann ein Online-Training die persönliche Betreuung eines Personaltrainings oder das Gruppenfeeling eines Outdoor-Gruppentrainings ersetzen?

Nein natürlich nicht!

Kann es unter derzeitigen Umständen als guter Ersatz, und auch generell als effiziente Ergänzung beurteilt werden?

Ich sage Ja, auf jeden Fall!

 

Wenn du dem Ganzen gerne eine Chance geben möchtest, melde dich bei mir.

Bis dahin, alles Liebe und keep moving!

Deine Verena

 

 

 

 

 

author: Verena Hirzenberger