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11
2020

Gut und böse, schwarz und weiß…solche und solche

Genau eine Woche liegt das schlimme Attentat in Wien zurück. Auf Umwegen geht es ein Stück weit bei meinem heutigen Blogbeitrag auch darum. Vielmehr noch aber um den Versuch aus eigener Erfahrung zu zeigen, dass es immer solche und solche gibt.

Montag 02.11.2020 um 20:09 in Wien. Ich stand zu dieser Zeit mit meinen fleißigen Parkis (Kunden meiner Outdoortrainings in diversen Wiener Parks) im Heiligenstädterpark, Hohe Wart im 19ten Wiener Gemeindebezirk. Also weit ab von der Innenstadt, wo sich zu jener Zeit furchtbare Dramen abspielten. Wenige Minuten später war ich mit Straßenbahn und Bus am Heimweg. Ein Telefonat am Abend auf der Couch wurde durch eine Nachricht meiner Mama in Oberösterreich unterbrochen. Somit erfuhr ich erst gegen 21:45 was sich in meiner geliebten Stadt, in den schönen alten Gassen die ich selbst unzählige Male bereits durchschritten habe, ereignet hatte.

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Wenn auch sehr dankbar dafür nicht unmittelbar selbst betroffen gewesen zu sein, so fühlte ich mich trotzdem am folgenden Tag innerlich verwundet. Ja es ist tatsächlich nochmals eine ganz andere Nummer, wenn man von anderen Städten ähnliche Dinge hört, natürlich ebenfalls betroffen reagiert oder tatsächlich plötzlich selbst Einwohner einer jener Städte ist. Keinen Schritt habe ich vor die Tür gemacht und trotz dem Versuch mich nicht verrückt machen zu lassen, mich doch auch dabei ertappt im Abstand von wenigen Stunden wiederholt die Nachrichten zu verfolgen um zu neuesten Erkenntnissen zu gelangen. Der klägliche Versuch etwas Unfassbares verstehen zu wollen, was ewig unverständlich bleiben wird.

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Der tapfere und auch richtige Schritt trotzdem zu versuchen möglichst rasch wieder zur “Normalität” zurück zu kehren, ist mir aber auch Corona bedingt noch nicht so ganz geglückt. Und hier mache ich bewusst einen Schwenk auf persönliche Geschichten die das gute Herz eines Menschen unabhängig von seiner Kultur, Religion, Nationalität oder was auch immer aufzeigen sollen:

Heute habe ich nach langer Zeit wieder einmal den “Frei Raus-Podcast” von Christo Förster gehört. Den habe ich hier auch bereits mehrfach erwähnt. In dieser Folge geht es aber ganz konkret um die iranische als auch amerikanische Hilfsbereitschaft und Gastlichkeit gegenüber einem jungen- auf Fahrrädern- Welt reisendem deutschen Paar. Wärmste Hörempfehlung meinerseits! Klick dich gleich mal hier rein: Frei Raus Podcast von Christo Förster

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Foto by: freiraus.podigee.io

“Außerdem spreche ich mit Claudia Hildenbrandt kurz vor der Wahl des US-Präsidenten über Gastfreundschaft in Amerika und im Iran. Claudia und ihr Freund Daniel sind zwei Jahre mit dem Rad um die Welt gefahren und haben in den USA jeden Abend bei wildfremden Menschen an der Tür geklingelt.” (Zitat Christo Förster in seinem Frei Raus Podcast)

Und dann erzähle ich noch kurz eine persönliche Geschichte die ich gerne bringe, wenn jemand mir gegenüber auf “die Türken” zu schimpfen beginnt. So Verallgemeinerungen kann ich ohnehin schon gar nicht leiden. 9 Monate habe ich selbst in einer Kindergruppe als Pädagogin im 16ten Bezirk in Wien gearbeitet. Die Herzlichkeit der türkischen Familie, die diese Gruppe inklusive Hort betrieb war groß und überraschte mich insbesondere an einem bestimmten Tag:

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Foto by deBeste.de

Am Weg zur Arbeit ereilte mich der Anruf meines Vaters. Meine Mutter hätte einen Autounfall gehabt, wäre auch soweit nicht schlimmer verletzt aber doch im Krankenhaus in Steyr (OÖ) aufgenommen. Ich war bestürzt und besorgt und kam demensprechend verwirrt und bedrückt wenige Minuten später in der Kindergruppe an. Selma (die Betreiberin der Gruppe) öffnete mir die Tür sah mich an und wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. Als ich vor Sorge zu weinen begann zog sie mich rasch in einen Nebenraum und aus dem Sichtfeld der neugierigen Eltern in der Garderobe. Mutter-Unfall-Krankenhaus…so auf das wesentliche reduziert gab es für sie nur eine einzige Möglichkeit der richtigen Handlungsweise in dieser Situation. Ich musste natürlich sofort zu meiner Mutter. Hätte diese in jenem Moment auf Hawai anstatt in Oberösterreich einen Unfall gehabt so wäre ich vermutlich wenige Stunden später im Flugzeug am Weg dorthin gewesen. Auf jeden Fall konnte ich gar nicht so schnell schauen, hatte Selma bereits ihren Mann mobilisiert, saßen wir gemeinsam in seinem Auto am Weg zu meiner Wohnung um noch das Nötigste einzupacken und wenige Minuten später fuhren wir bereits Richtung Steyr. 200km später wurde ich mit den besten Genesungs-Wünschen exakt vor dem Krankenhaus abgesetzt.  Das werde ich niemals vergessen.

Weiter kommentieren möchte ich das gar nicht, nur nochmal sagen:

es gibt eben immer solche und solche.

Damit wünsche ich euch noch einen schönen Dienstag Abend, alles Liebe

eure Verena

 

author: Verena Hirzenberger