18
05
2020

der Mensch ist ein Gewohnheitstier und dabei ist die einzige Konstante im Leben doch die Veränderung

Letzte Woche ist es schlussendlich dann nur bei einem Blogbeitrag geblieben und soll ich dir etwas sagen, es hat mir gefehlt das Schreiben. Ich habe sogar tatsächlich gestern am Sonntag mit dem Gedanken gespielt einen Beitrag zu schreiben, solche Entzugserscheinungen hatte ich.

Im heutigen Beitrag wird es auch genau darum gehen, nämlich um die Diskrepanz zwischen der Aussage, dass “der Mensch ein Gewohnheitstier sei” und jener die behauptet, dass die menschliche Rasse sich genau durch ihre unglaubliche Fähigkeit sich immer wieder mehr oder weniger rasch an verändernde Lebensumstände anpassen zu können von anderen Lebewesen unterscheidet.

Ich finde es spannend, dass es mir relativ leicht fiel vor nun bereits 9 Wochen mein (berufliches) Leben an nur einem Wochenende (14./15.3.) komplett auf den Kopf zu stellen um zack-bumm am darauffolgenden Montag neu ausgerichtet loszulegen. Schnell hatte ich mich fast ein Stück weit an diesen neuen Rhythmus gewöhnt, ans viel Zeit zuhause verbringen, an Online-Trainings, an das tägliche Schreiben eines Blog-Beitrags und vor allem: an eine großteils entspannte und gelassene Stimmung die diese Zeit begleitete.

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Was immer wieder jedoch mit Vollgas in mein Bewusstsein traf waren neue Ideen, kreative Prozesse, Gedanken die mit der Veränderung meiner Lebenssituation wie mit einem Jonglierball spielten, dass ich oft Müh und Not hatte zu folgen. Im Austausch mit Freunden und Bekannten hat sich herausgestellt, dass ich damit in dieser Phase nicht alleine war.

Bei meiner Arbeit als Personaltrainerin geht es ja auch wesentlich darum, Menschen dabei zu unterstützen Veränderungen in ihrem Lebensstil vorzunehmen um gesundheitsfördernde Prozesse in Gang zu setzen. Da wir Menschen aber oftmals so genannte Gewohnheitstiere sind, kann das zu einem Kampf gegen Windmühlen ausarten. Bestimmte über Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte festgefahrene Muster lassen sich verständlicherweise nicht von heute auf morgen ändern und nachdem ich kein Fan von “Brechstangen-Methoden” bin nähere ich mich dem ganzen dann meist in kleinen Schritten an.

Jetzt versuche ich hier noch ein paar Fakten bzw. psychologische Theorien zur Thematik reinzupacken. In einem Artikel  der “Zeit online” den du hier nachlesen kannst heißt es z.B. “Große Verhaltensänderungen hängen häufig mit schwerer Krankheit, Scheidung, Jobwechsel oder einer neuen Bezugsgruppe zusammen- sie geschehen, wenn sich der Kontext ändert. In diesen sogenannten teachable moments werden Gewohnheiten zweitweise gebrochen. Man muss sich neu orientieren, das eigene Verhalten überdenken und sucht nach Informationen”, sagt auch Verplanken. Wer nach Veränderung strebt, hat in diesen Momenten die beste Chance.

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Meiner Meinung nach befinden wir uns gerade aufgrund der Covid19-Pandemie in so einer Phase. Es liegt an uns was wir daraus machen und ob wir diese Zeit als Gelegenheit Dinge grundlegend zu ändern wahrnehmen oder sinnlos verstreichen lassen und weitermachen wie bisher.

Weiters beschreibt der Artikel, dass es sinnvoll ist Ziele in kleine Schritte zu unterteilen und entsprechend mit Belohnungen beim Erreichen von Teilzielen zu koppeln. Deshalb finde ich persönlich es auch sehr wichtig jedes Training positiv abzuschließen. Das Verlangen dieses Verhalten, also das Training, zu wiederholen wird somit durch das am Ende damit verbundene positive Gefühl gekoppelt. Das ist auch tatsächlich ein kleiner Trick, weil unser Gehirn sich einerseits emotional  besonders aufgeladene Situationen und andererseits das Ende eines Prozesses/einer Handlung besser merken kann als irgendein Detail, das wir in Minute 25 nebenbei erwähnt haben.

Bei Essgewohnheiten gehen Wissenschafter davon aus, dass es mindestens drei Jahre dauert, bis das neue Verhalten stabil ist. Ja meine Lieben, ihr dürft in etwas anderen Zeitspannen denken als in 10 Tagen zur Bikinifigur, zumindest wenn wir von langfristigen größeren Veränderungen sprechen.

Spannend geht es weiter und zwar wird die Behauptung aufgestellt, es wäre einfacher neue Gewohnheiten zu etablieren, als alte abzulegen. Das Erfolgsrezept: das gewünschte Verhalten muss mit einem deutlichen Auslösereiz gekoppelt und dann durch Belohnung verstärkt werden. Der Klassiker wäre z.B. die fertig gepackte Sporttasche die man in die Arbeit mitnimmt um eine Ausrede weniger zu finden, direkt danach den Weg ins Fitnessstudio einzuschlagen. Um sich das, was man geplant hat vor Augen zu führen empfiehlt es sich auch Vorsätze konkret zu verschriftlichen, zu terminisieren oder zu verbildlichen.

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Letzte Woche war ich total begeistert von einem System, das eine liebe Personaltrainingskundin von mir dazu entwickelt hat. Ihre Vorhaben der jeweiligen Woche hat sie in Bildern auf verschiedene Post-its auf ihrem Kühlschrank festgehalten. Jeden Morgen wählt sie dann die entsprechenden Aufgaben/Aktivitäten des Tages und setzt das entsprechende Post-it von  links nach rechts, was schließlich erledigt wurde wandert nach unten, was noch offen ist bleibt auf Augenhöhe. Einfach und genial zugleich oder?

Ein anderer Tipp den ich als alte Plaudertasche selbst regelmäßig anwende ist jener, möglichst rasch vielen anderen Personen von meinen Vorhaben zu erzählen. Einerseits wird die Sache von Mal zu Mal beim darüber sprechen wirklicher und konkreter, vielleicht auch aufgrund kritischen Feedbacks sinnvollerweise nochmals hinterfragt, vielleicht muss ich eine Idee sogar verteidigen und merke dabei wie wichtig sie nun tatsächlich für mich geworden ist oder wie rasch ich sie problemlos fallen lasse, weil sie eventuell doch im Moment weniger Relevanz hat als zuerst gedacht. Aber vor allem sichere ich mir damit den Tritt in den Allerwertesten, denn Menschen denen ich wichtig bin und die aufmerksam zugehört haben werden unweigerlich nach einer gewissen Zeit nachfragen wie es denn um damals erwähnte Idee steht oder noch besser, jemand entpuppt sich überhaupt als Partner in Crime und ihr setzt den Plan gemeinsam in die Tat um, motiviert euch bspw. gegenseitig 2x/Woche die Laufschuhe zu schnüren, täglich 10 Minuten zu meditieren oder was auch immer.

Nachdem wir vermutlich bereits davor mehrere Anläufe gemacht haben um ein bestimmtes Verhalten zu manifestieren und bislang daran gescheitert sind, scheint es in der langfristigen Umsetzung immer wieder uns einholende Hürden zu geben. Es empfiehlt sich gegen solche Hürden gleich vorab einen Plan B bereit zu haben. Du willst z.B. nicht bei Regen laufen, als Ersatz machst du also bei miesem Wetter indoor 30 Minuten ein Workout im Wohnzimmer.

Übrigens um nochmals kurz zum Verbildlichen oder Verschriftlichen von Vorhaben und Zielen zurück zu kehren, während eines Telefonats letztens mit einem Freund habe ich diesem genau dasselbe geraten. Er war der Meinung er wisse ohnehin in seinem Kopf genau was er wolle und zwar richtig konkret. Ich habe ihm trotzdem geraten, genau diese Gedanken auch nieder zu schreiben. Meiner Erfahrung nach geht man damit einen weiteren Schritt bereits in die Umsetzung, durch den Vorgang des Schreibens und Formulierens und damit des Sichtbarmachens am Blatt Papier vor einem.

Den heutigen Beitrag möchte ich hiermit mit folgendem Ausspruch abschließen:

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Fotocredit: echtpost.de

 

und wer gerne Podcasts hört dem empfehle ich noch dazupassend jenen von Christo Förster:

Frei raus, 16.April 2020 Neue Ziele und das Abenteuer Motivation: Was will ich eigentlich ?

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Damit euch allen einen schönen Montag abend,

Eure Verena

 

 

author: Verena Hirzenberger