24
04
2016

Warum ich Freeletics cool finde aber den Trend kritisch betrachte

Bei den ersten Sonnenstrahlen geht es wieder los. Die Freeletics Fangemeinde strömt aus und trifft sich in Massen Outdoor in diversen Parks oder anderweitigen Locations in ganz Wien um gemeinsam zu trainieren, die Körper zu stählen und zu schwitzen.

Was ist Freeletics?

Das Freeletics- Training verspricht:

  • schnelle, sichtbare Erfolge in kurzer Zeit
  • ein individuell auf jeweilige Ziele abgestimmtes Training
  • Spaß und Motivation durch das Training in der Gruppe

….und das Beste daran: es ist überall absolvierbar, da dafür keinerlei Trainingsgeräte von Nöten sind. Es wird allein mit dem Widerstand des eigenen Körpergewichtes trainiert.

Mehr dazu hier: www.freeletics.com

Eine eigene App ermöglicht die Aufzeichnung des Trainingspensums bzw. Fortschrittes und stellt den jeweils für einen aufgrund zuvor eingegebener Trainingsziele ermittelten Plan anschaulich erklärt zur Verfügung.

Auf Facebook und Co. gibt es zusätzlich eine große Fangemeinde die einen herzlich aufnimmt,  deren Mitglieder vorab ihr geplantes Training ankündigen und einen dazu einladen mit dabei zu sein.

https://www.facebook.com/groups/freeleticswien/?fref=ts

Klingt alles sehr cool, motivierend und außerdem ist man ja momentan ohnehin auf jeden Fall im Trend wenn man von sich behaupten kann folgendermaßen zu trainieren:

–     weitest gehend nur mit eigenem Körpergewicht

  • inklusive App, Facebook und Co

Soweit so gut. Was soll daran jetzt verkehrt sein? Ich trainiere selbst bereits seit Jahren bevorzugt auf ähnliche Art und Weise. Eine Stunde oder länger zwischen diversen Kraftmaschinen im Studio zu verbringen war noch nie mein Ding. Ich liebe kurze und intensive Trainings, bevorzuge Übungen die gleichzeitig viele Muskelgruppen beanspruchen und, dass ich die Motivation eines Trainings in einer Gruppe gleich Gesinnter nachvollziehen kann versteht sich als Groupfitness-Trainerin von selbst.

Die Problematik besteht für mich jedoch in der praktischen Umsetzung eines grundsätzlich tollen Konzeptes.

Ein qualitativ hochwertiges Training, unabhängig ob one-to-one oder in einer Gruppe muss folgende Punkte für mich erfüllen:

  • Beantwortung der folgenden Fragen vor JEDEM Training:
  • Gibt es chronische/akute körperliche Beschwerden ?
  • Was ist das Trainingsziel, die Trainingsmotivation? Was soll erreicht werden? (heute, im Verlauf der nächsten Wochen/Monate/Jahre)
  • Wo stehst du aktuell? (sportliche/bewegungsmäßige Vorerfahrungen, Verletzungen, Trainingsniveau, Bewegung im Alltag (Beruf/Freizeit), körperliche/mentale (Tages)Verfassung)

Idealerweise geht aus diesem Grunde einem regelmäßigen Training ein entsprechendes Anamnesegespräch inklusive Körperzusammensetzungs-, Bewegungs (FMS-Functional Movement Screen)-, Herz-Kreislaufanalyse voraus.

  • Hinterfragung des Trainings hinsichtlich der Funktionalität für den Athleten/die Gruppe:
  • sicher und risikoarm?
  • machbar und passend?
  • sinnvoll und effizient?
  • freudvoll und nachvollziehbar?

Und genau hier setzt meine Kritik an. Ich bezweifle, dass jeder Freeletics- Athlet vor dem Training entsprechend befragt/getestet wird bzw. selbst dafür Sorge trägt ob er diesem schon sehr intensivem Training bereits hinsichtlich körperlicher Strukturen (Gewebe, Sehnen, Muskeln, Bänder, Knochen, Knorpeln,…) des Herzkreislaufsystems (Herz/Lunge) und damit einhergehend des koordinativ/technischen (Sinne,Rückenmark,Nerven,Gehirn…) Anspruches gerecht werden kann. Die Folgen können im harmlosen Fall ein Ausbleiben von Trainingserfolgen aber im schlimmsten Fall auch Einschleifen falscher Bewegungsmuster und weiters Abnützungen, Schädigungen und Verletzungen des Bewegungsapparates und Überforderung des Herz-Kreislaufsystems sein. Ja professionelles Personaltraining gibt es nicht gratis. Ja eventuell sind Basisübungen und das Erlernen der richtigen Technik einer Bewegung manchmal langweilig und auch mühsam und es geht auch nicht über Nacht sondern braucht viele, viele Wiederholungen (ungefähr 10.000!) aber wenn du langfristig Spaß am Training haben möchtest, dir neben bloßer Optik auch deine Gesundheit am Herzen liegt dann ist es die Investition auf jeden Fall wert und es spricht auch nichts dagegen parallel dazu deiner Freeletics-Gemeinschaft treu zu bleiben denn ich bleibe dabei: Freeletics ist ein cooles Training wenn durchdacht und richtig gemacht!

Solltest du Interesse haben dich und deinen Körper vorab auf die bei Freeletics geforderten Beanspruchungen vorzubereiten freue ich mich dir dabei als Personaltrainerin unterstützend zur Seite zu stehen.

author: Verena Hirzenberger